Brahms Festival – MusikerInnen der NDR Radiophilharmonie unter der Leitung von ihrem Chefdirigenten Andrew Manze spielen fünf Konzerte im Hannovers Kuppelsaal mit allen Sinfonien und Konzerten sowie das Requiem von Johannes Brahms.

Der März stand für die NDR Radiophilharmonie ganz im Zeichen des Brahms Festivals. Zwei Wochen intensive Probenarbeit und ein vorbereitendes Konzert in der Lübecker MUK mündeten in die Konzertwoche im Kuppelsaal, in denen alle großen Orchesterwerke erklangen, zum Auftakt das „Deutsche Requiem“. 

Andrew Manze schwor das Orchester darauf ein, dass in diesem Stück die Singstimmen im Vordergrund stünden und wir uns klanglich zurücknehmen müssten. Dem NDR Vokalensemble stand der WDR Chor zur Seite, sodass wir nicht gänzlich auf strahlende Orchesterfarben verzichten mussten. Laut einer Zuhörerin entstand eine sehr intensive und verinnerlichte Wiedergabe.

Das Konzert am Dienstag begann mit dem 2. Klavierkonzert in B-Dur, einem der schwierigsten und längsten des Klavier-Repertoires. Für uns Orchestermusiker war es sehr interessant, mit dem Solisten Denis Kozhukhin zu spielen, hatten wir doch im Vorkonzert in Lübeck dasselbe Werk mit Martin Helmchen in einer eher schlanken, flüssigen Version zur Aufführung gebracht.

Nun saß vor uns ein Klangmagier. Wuchtigen Passagen versuchte er nicht ihre Schwere zu nehmen, manche hohen Stellen ließ er im Nichts verklingen. Eine Interpretation, die vielleicht 10 Minuten länger dauerte, aber jede Minute wert war!

Solist am Donnerstag für das Violinkonzert war Christian Tetzlaff, ein Stück, das für Joseph Joachim geschrieben ist, einer der berühmtesten Geiger seiner Zeit, Freund von Schumann und Brahms, und Hannoveraner! Es ist anders als die typischen Virtuosenkonzerte sehr sinfonisch angelegt, was sich auch darin zeigt, dass die große Melodie im langsamen Satz zuerst von der Oboe vorgestellt wird, ein herrliches Solo, was Johanna Stier besonders schön gelang (dieser Textteil stammt von Jan- Hendrik Rübel 😉).

Freitag kam Christians Schwester Tanja Tetzlaff am Cello zum Doppelkonzert dazu, einem Stück, das seltener zu hören ist und dennoch zu den ganz großen Werken in Brahms Schaffen gehört. Die Vertrautheit der beiden war klar zu spüren, wodurch die kammermusikalischen Aspekte dieses Werkes betont wurden. Dass die beiden viel Kammermusik spielen, war auch in den vorangehenden Kurz-Konzerten im Leibniz Saal, der „carte blanche“, zu hören. Am Donnerstag spielten sie das Duo von Zoltan Kodaly, ein Werk, das sowohl klangmalerisch, kontrapunktisch als auch virtuos ist. Am Freitag stießen dann vier unserer Solostreicher zu den beiden dazu und spielten das G-Dur-Sextett von Brahms. Welche der vier Sinfonien nun Ihre liebste war – sie so dicht hintereinander in der außergewöhnlichen Interpretation von Andrew Manze zu hören, war sicher etwas Besonderes! Schön, dass wieder so viele Menschen ins Konzert gehen!

Herzlich grüßen

Johanna und Jan Hendrik


BRAHMS FESTIVAL

Vor dem Abschlusskonzert des Brahms Festivals spielen sich unsere Cellisten Christian Edelmann, Nikolai Schneider, Carsten Jaspert und Jan Hendrik Rübel begeistert ein. (Foto: Micha Neugebauer)

Kammermusikmatinee der AkademistInnen der Joseph Joachim Akademie der NDR Radiophilharmonie – die AkademistInnen, unterstützt u. a. vom Freundeskreis, spielten am Sonntagvormittag vor vollem Haus ein Programme mit spannender Kammermusik.

Die Kammermusikmatinee der AkademistInnen gehört neben dem Spielen in der NDR Radiophilharmonie, dem Unterricht bei den MentorInnen aus dem Orchester und den Workshops mit namhaften SolistInnen zum festen Programm der Ausbildung in unserer Joseph Joachim Akademie, die u. a. vom Freundeskreis unterstützt wird. Sie war in diesem Jahr am 10. Dezember besonders gut besucht und programmatisch besonders vielseitig, da sie einen alten Stummfilm mit Buster Keaton in den Mittelpunkt stellte. Wir wurden von der Moderation darüber informiert, dass es üblich war, Stummfilme mit bereits existierenden Stücken zu unterlegen, was auch hier stattfand. Immer wieder schön: die Aufteilung der Moderation auf alle Mitwirkenden; ein großes Lob an die Nicht-Muttersprachlerinnen für ihren Mut und ihre informativen Beiträge!

Die anderen Stücke des Programms waren zum großen Teil recht unbekannte, aber sehr hörenswerte Preziosen der Kammermusik:

Gustav Holst
St. Paul’s Suite für Streichorchester 
Bernard Garfield
Quartett Nr. 1 für Fagott, Geige, Bratsche und Cello
Film von Buster Keaton
The Boat
John Adams
Shaker Loops, Shaking and Trembling
Albert Roussel
Duett für Fagott und Kontrabass
Erich Wolfgang Korngold
Quartett Nr. 2

Einstudierung François Lefèvre und mit freundlicher Unterstützung der Europäischen Filmphilharmonie.

Aufführende waren:

Marta Aurelija Rando Violine
Natsuki Gunji Violine
So Young Lee Violine
Clara Schmid Viola
Linda Evelina Heiberga Violoncello
Sanghee Han Kontrabass
Anton Engelbach Fagott

Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr!


Kammermusikmatinee der Joseph Joachim Akademie

  Alle sieben AkademistInnen der Joseph Joachim Akademie im Konzerim Kleinem Sendesaal NDR Landesfunkhaus Niedersachsen am Sonntag, den 10. Dezember 2023. (Foto: Carsten Peter Schulze)

Mitglied der NDR Radiophilharmonie und Vorstandsmitglied der Joseph Joachim Akademie: Geigerin Kristina Altunjan schenkt den AkademistInnen Blumen beim Applaus. (Foto: Carsten Peter Schulze)

Im März 2020 war der Bühnenumbau im Großen Sendesaal endlich beendet und der Saal wieder nutzbar, doch spielen durfte das Orchester trotzdem erst einmal nicht: Die Covid-19-Krise zwang zum Dornröschenschlaf. Coronabedingt mussten die Freunde und Förderer der NDR Radiophilharmonie auf Konzertbesuche verzichten und wir konnten „unser“ Orchester nur im Radio, per Internet oder im Fernsehen erleben.

Unter dem bezeichnenden Namen „The Bridge“ spielte die Bratschengruppe der NDR Radiophilharmonie gemeinsam mit ihren Kollegen vom Royal Liverpool Philharmonic Orchestra am 12.01.2020 ein Kammerkonzert.